Kenner, Liebhaber und Könner |
Zur 36. gemeinsamen Ausstellung in der Stadthalle Tettnang
gab sich die Künstlergruppe um Hanne Feierabend den Namen “Panta Rhei". |
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Vom Lampenschirm über Aquarelle bis zur Holzskuptur reichten die oftmals ungewöhnlichen Exponate
von “Panta Rhei” Bild: Schall |
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Alles fließt, oder altgriechisch “Panta Rhei. Das gilt im Besonderen für die Kunst. Und weil selbst Künstler, die längst ihren Stil gefunden haben, sich
unaufhaltsam weiterentwickeln, wählte die Tettnanger Künstlergruppe “Panta Rhei” nach 36 Jahren als passenden Namen aus. Gunhild Kreutzmann-Sachweh freute sich in ihrer Laudatio über diese
Namenswahl, denn griechische Philosophen als Schutzpatrone hält sie für angemessen für einen Künstlerkreis voll fröhlich fließender Kreativität. |
Hanne Feierabend stellte Aquarelle ihres Mannes aus. Bilder, die mit der unverwechselbaren Handschrift des Heimatmalers beim Betrachter
Emotionen wecken. |
Gerhard Maria Leber zeigte seine schöpferische Vielfältigkeit. Stilleben in Aquarell, Stein und Papier sowie Tryptichone, die zum
Grübeln anregten. Leber bearbeitete Steine mit Diamantschwamm, dadurch treten jene Maserungen zu Tage, welche ihn so sehr faszinieren. “Eine Art Bildhauerei, ohne dass ich groß eingreife", erklärte er schlicht.
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Ganz anders dagegen Barbara Seifried. Sie malt großflächige, abstrakte Phantasiewerke. Nur angedeutet, schemenhaft sind Figuren ohne Gesicht
und Umrisse von Booten zu erkennen - Lebensboote, sagt sie. Ihre Werke leben von den intensiven, leuchtkräftigen Farben, welche sie selbst aus Pigmenten, Ei und Leinöl mischt. |
Immer wieder überraschend auch die getöpferten Hühner und Katzen von Ulla Neumann. Seit 1977 hält die leidenschaftliche Kunsthandwerkerin
dem bäuchigen Gefieder die Treue, wovon auch ihr neuestes Kinderbuch “Violet und die Schmetterlinge” zeugt. |
Der Tettnanger Autodidakt Roland Kratzert vertrat “Panta Rhei" wohl am eindrucksvollsten. Sein Wandel von impressionistischen
Lavendelfeldern zur auf Flächen reduzierten Darstellung massiver Gebirge, welche von Farbharmonien leben, war beeindruckend. |
Bodenständig dagegen wieder die Werke von Berthold Aberle. Der Kunstdrechsler und Schreiner wies auf verblüffende Weise aus, was sich aus
heimischen Hölzern fertigen lässt. Schüsseln, Lampenschirme, selbst Kerzenständer aus 1000 Jahre alter Mooreiche waren unter den Exponaten. |
Der in St. Petersburg lebende Künstler Anatoli Bassyrow hat bereits mit zehn Jahren die Kunstschule besucht. Durch ein Stipendium kam er
1991 an den Bodensee und fängt seither auch hier die Landschaft in Freilichtmalerei mit unvergleichlicher Farbwirkung ein. |
Ergänzend hatte man in Tettnang vier Gastkünstler in die Stadthalle geladen: |
Angelika Brackrock ist Hamburgerin, doch seit 1998 arbeitet sie mit Blick aufs “Schwäbische Meer”, was sie immer wieder auch zu wuchtigen
Plastiken zum Thema Fisch inspiriert. |
Die Ravensburgerin Erika Bubholz verleiht ihrer Liebe zu Allgäuer Kühen, deren samtigen Schnauzen und schönen Augen Ausdruck in
aufsehenerregenden Aquarellen und energiegeladenen Pinselzeichnungen. |
Die preisgekrönten Holzskulpturen von Georg Freundorfer entstehen aus Hölzern mit denen er vertraut ist, denn Freundorfer lebt im und mit
dem Wald. Instinktiv folgen seine Werke Wuchs und Maserung, womit er verblüffende Ergebnisse erzielt. |
Auch Eckhard Kowalski ist sehr naturverbunden. Detailtreue hat er sich zur Aufgabe gemacht, wodurch seine Aquarelle fast photographisch
wirken. |
Vielfältig und spannend erlebten die Besucher die Ausstellung am Wochenende, stilvoll umrahmt durch die schwungvollen Klänge der
Jazz-Formation “ Jazz Take It". |
ANDREA FRITZ |
Südkurier, 24.11.2002 |